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Entstanden war die ständische Verfassungsstruktur dadurch, dass adelige Grund- und Gerichtsherren im Rahmen des Lehenswesens ihrem Landesherrn für dessen Schutz in einem bestimmten Maß zu „Rat und Hilfe“ verpflichtet waren. Im Gegenzug konnten sie die Berücksichtigung ihrer Bitten und Beschwerden erwarten.

Als die Habsburger ihre Landesherrschaft im 15. und 16. Jahrhundert über weite Teile des heutigen Vorarlberg ausdehnten, bestanden jedoch unterhalb der landesfürstlichen Ebene keine adeligen und klösterlichen Grundherrschaften mit Gerichtsrechten.

Nach dem Ende des schwäbischen Herzogtums um die Mitte des 13. Jahrhunderts hatten nämlich die Grafen von Montfort und jene von Werdenberg als Inhaber kleinräumigerer Herrschaftsgebilde deren Entwicklung zu verhindern gewusst.

Die auswärts residierenden Habsburger stützten ihre Macht im Raum Vorarlberg somit hauptsächlich auf die städtischen und bäuerlichen Eliten. Nicht von ungefähr zeigt sich ein Zusammenhang zwischen dem schrittweisen Erwerb der einzelnen Gebiete durch Österreich und dem Maß der persönlichen Freiheit ihrer Bewohner sowie der Selbstverwaltung. Zeugnisse für die Einbindung der Bevölkerung in die Belange der Landesherrschaft liegen bereits aus dem 14. Jahrhundert vor.

Die vorarlbergische „Landschaft“ bestand von 1604 bis 1808 aus den drei Städten Feldkirch, Bregenz und Bludenz sowie 21 Landgerichten. 1765 kam die Grafschaft Hohenems und für den Reichshof Lustenau, dessen Besitz lange Zeit umstritten war, zu Österreich. Die Herrschaft Blumenegg und die Propstei St. Gerold wurden erst 1804 österreichisch, ohne dass man sie auch in den Kreis der Vorarlberger Stände aufgenommen hätte.

Da die habsburgischen Landesherren ihre Untertanen nicht willkürlich belasten konnten, benötigten sie die Vorarlberger Landstände als eine Körperschaft, die ihnen zusätzlich zu den gewöhnlichen Steuern außerordentliche Zahlungen bewilligte, denn der landesfürstliche Geldbedarf stieg im 15. und 16. Jahrhundert stark an.

Den Hauptgrund dafür bildeten die hohen Ausgaben für die Kriegsführung, vor allem zur Abwehr der in Ungarn vordringenden Türken.

Aufgrund der Finanznot des Landesherrn gelang es den Ständen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, ihre Macht bedeutend zu erweitern. So beteiligten sie sich 1571 mit hohen Summen beim Ankauf der Gerichte Altenburg und Kellhöfe und im Jahr

1586 bei der Auslösung der Herrschaften Feldkirch, Bregenz und Hohenegg aus der Pfandschaft der Grafen von Hohenems.

Die ständischen Gelder mussten von den einzelnen Gerichten ursprünglich anteilsmäßig nach ihrer Truppenstärke - und damit nach der Bevölkerungszahl - aufgebracht werden. Dieses Umlagesystem benachteiligte die zumeist übervölkerten ländlichen Gebiete gegenüber den vermögenderen Städten, was zu schweren Konflikten führte.

Im Jahr 1628 verordnete schließlich der Landesfürst eine Änderung. Insbesondere die später so genannten „Direktorialstädte“ Feldkirch und Bregenz dominierten die Politik der Stände aber weiterhin - schließlich führten ihre Kanzleien auch die „landschaftlichen“ Verwaltungsgeschäfte.

Dass die Stände den Höhepunkt ihres Wirkens im 17. Jahrhundert bereits überschritten hatten, zeigte der erbitterte Streit um die Organisation der Landesverteidigung - einem weiteren zentralen Aufgabenbereich neben dem Steuerwesen - zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648).

Eine tiefe Entzweiung zwischen dem Ober- und dem Unterland mündete in einer der größten kriegerischen Katastrophen der vorarlbergischen Geschichte: der Einnahme der Stadt Bregenz durch schwedische Truppen und der Ausplünderung des Landes bis hinauf nach Bludenz im Jahr 1647.