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Der Stiftsadel ist eine Besonderheit des Adels im Heiligen Römischen Reich insbesondere im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit. Im weiteren Sinn steht der Begriff für diejenigen Adeligen, die den Adel in einem geistlichen Territorium etwa einem Hochstift bildeten. Im engeren und eigentlichen Sinn ist der Teil des Adels gemeint, der Zugang zu den Domkapiteln und vergleichbaren geistlichen Einrichtungen (wie den Deutschen Ritterorden) hatte. Letzteres hing von der so genannten Stiftsfähigkeit ab.

Ein grundlegendes Problem für jede Adelsfamilie war, dass man einerseits angesichts hoher Kindersterblichkeit eine große Zahl von Nachkommen benötigte, um die Fortsetzung des Geschlechts zu sichern. Andererseits bedeuteten zahlreiche nachgeborene Kinder hohe Kosten und es drohten dadurch materielle Einbußen.

Eine Strategie um dem entgegenzuwirken war die Vererbung des Besitzes an einen Erben - zunehmend abgesichert durch die Einrichtung eines Familienfideikommiss. Den nachgeborenen Söhne wurde vorwiegend zu Domherrenstellen und ähnlichen Ämtern verholfen. Der Vorteil war, sollte der eigentliche Erbe sterben, konnte notfalls einer seiner Brüder auf sein geistliches Amt verzichten und den Familienbesitz übernehmen. Allerdings führten nichtstandesgemäße Verbindungen zwangsläufig zum Verlust der Stiftsfähigkeit. Der Zwang standesgemäße Ehen einzugehen, engte den Heiratskreis damit erheblich ein.

Das Familienfideikommiss (fidei commissum, „zu treuen Händen belassen“) ist eine Einrichtung des Erb- und Sachenrechts, wonach durch Stiftung das Vermögen einer Familie, meist Grundbesitz, auf ewig geschlossen erhalten werden sollte und immer nur ein Familienmitglied allein, der Fideikommissbesitzer, das Nießbrauchsrecht innehat.

Im Römischen Recht war das Fideikommiss eine testamentarische Verfügung, die dem Erben aufträgt, das Geerbte nach bestimmter Zeit ganz oder teilweise an einen Dritten abzutreten. Es wurde daher dem Erblasser ermöglicht, als Stifter eines Familienfideikommisses einen Teil des Vermögens abzusondern und der römisch-rechtlichen Eigentumsordnung zu entziehen. In Bezug auf Stammgüter war dies bereits durch Observanz und Familienvereinbarung bei Einzug des römischen Rechts in Deutschland anerkannt.

Das Nutzungseigentum stand immer nur einem Familienmitglied zu. Die Familie als Ganzes behielt das Obereigentum. Demnach ist derjenige, welcher aus dem Familienfideikommiss begünstigt worden ist, weder zur Verfügung noch zur Belastung des Eigentums befugt gewesen (gebundenes Vermögen). Der aus dem Familienfideikommiss Begünstigte konnte über sein Nutzungseigentum auch nicht frei von Todes wegen verfügen. Das vermögensrechtliche Schicksal des „Nießbrauchs“ an dem gebundenen Vermögen bestimmte sich nach der Sukzesionsordnung der Stiftungsurkunde. Der Stifter des Familienfideikommisses kann zwischen Senioraten, Majoraten, Minoraten und Primogenituren wählen. Eine Besonderheit ist die weibliche Erbfolge nach dem Erbjungfernrecht. Das bestehende Recht der Tochter eines ohne männliche Nachkommen verstorbenen Adeligen (der Erbjungfer), das von diesem hinterlassene Lehen, als Nutznießerin zu genießen, selbst wenn es ein Familienfideikommiss war.

Das Familienfideikommiss ist ein Sondervermögen einer Familie (Obereigentümer), das ungeteilt in der Hand eines Familienmitgliedes (Nutzeigentümer) blieb. Der Inhaber erhielt nur den Ertrag des Vermögens zur freien Verfügung. Vollstreckungen in das Vermögen wegen Schulden des Inhabers waren ausgeschlossen. Dadurch blieb die vermögensrechtliche Grundlage für eine Familie und ihre soziale Stellung gesichert. Das Fideikommiss beruhte auf rechtsgeschäftlicher Stiftung - zum Beispiel durch testamentarische Bestimmung; die Erbordnung (in der Regel Primogenitur) legte der Stifter fest. Das Familienfideikommiss ist rein privat-rechtlicher Natur und ist damit zu unterscheiden vom (allodifizierten) Lehen, das auch öffentlich-rechtliche Merkmale aufweist.

Durch das Familienfideikommiss konnte die „kalte Hand“ des Erblassers über Generationen hinweg das Schicksal des Eigentums ohne Mitwirkung der das Eigentum innehaltende Familie lenken.