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Die einflussreichen und sehr begüterten Grafen zu Montfort trugen ihren Namen nach dem nahe der Schweizer Grenze gelegenen Stammschloss Montfort bei Götzis in Vorarlberg. Im Gegensatz zu seinem aus dem Großbürgertum stammenden Schwager bekundete Anton Sebastian Graf zu Montfort von Anfang an für Offenberg größtes Interesse und bemühte sich sofort um eine umfassende Sanierung, Renovierung und auch Erweiterung der Anlage.

Ernsthafte Geschichtsschreibung sollte zwar grundsätzlich frei von persönlichen Emotionen sein. Angesichts des bedenklichen Bauzustandes von Schloss Offenberg kommt man jedoch nicht umhin, wenigstens am Rande über die möglichen Reaktionen von Anton Sebastian Graf zu Montfort nachzudenken, als er zum erstenmal über die kaum Vertrauen erweckenden Schlossbrücken seinen neuen Besitz betrat. Vermutlich gingen ihm allerhand sorgenvolle Gedanken durch den Kopf, die tiefe Kummerfalten in sein Gesicht gruben. Vielleicht bedauerte er sogar zunächst den von ihm angestrengten Gerichtsprozess, durch den ihm das akut einsturzgefährdete Bauwerk zugefallen war. Dass Anton Sebastian Graf zu Montfort wohl von Anfang an auf Schloss Offenberg wohnte, steht aufgrund der Aktenlage außer Zweifel. Im Gegensatz zu den beiden Vorbesitzern ließ er jedoch die Zügel nicht schleifen, sondern machte sich mit großem persönlichem Einsatz unverzüglich an die Wiederherstellung seiner neuen Wohnstätte.

Ab dem Herbst des Jahres 1688 entwickelte sich Schloss Offenberg zu einer Dauerbaustelle, auf der im Laufe der folgenden Jahre die Instandsetzungsarbeiten kein Ende zu nehmen drohten. Der Zustand der Anlage lässt sich nur noch mit dem Wort "desolat" beschreiben. Die im Folgenden beschriebenen Maßnahmen können diese Feststellung nur unterstreichen. Sie basieren alle auf den im Staatsarchiv Landshut vorhandenen Originalquellen (Rep. 162, Verz. 2, Nr. 6574).

Am 24. Oktober 1688 wurden dem Zimmermeister Thomas Änzenberger in Gegenwart aller seiner Gesellen durch den Verwalter Georg Prellinger 34 Gulden und elf Kreuzer an Arbeitslöhnen ausbezahlt. Über die Art der ausgeführten Arbeiten liegen keine Unterlagen vor. Lediglich dass zehn Arbeitstage vor Michaeli (29. September) und 76 nach Michaeli geleistet wurden, wird erwähnt. Der tägliche Lohn für einen Gesellen bei den Zimmerern betrug in Abhängigkeit von der Tageslänge und damit von der Länge des Arbeitstages vor Michaeli 18, danach 17 Kreuzer. Die gleichen Löhne standen auch den Maurergesellen zu.

Am 10. November 1688 wurde durch den Verwalter dem Maurermeister Ulrich Stöckhel für ein Gesamtgedinge von 66 Gulden und 45 Kreuzern eine Abschlagszahlung in Höhe von 31 Gulden und 45 Kreuzern geleistet. Auch hier liegen keine näheren Angaben vor. Der Restbetrag von 35 Gulden wurde dann Ende Mai des folgenden Jahres beglichen. Diese Maurerarbeiten wurden expressis verbis als von Herrn Graff zu Mundtfurdt persönlich angeordnet bezeichnet, d.h. Schloss Offenberg muss um Mitte 1688 an Anton Sebastian Graf zu Montfort gefallen sein.

Mit Sicherheit verfügte er in dem Deggendorfer Ratsherrn Georg Prellinger über einen ungewöhnlich tüchtigen Verwalter, der sich aufgrund seiner reichen kommunalpolitischen Erfahrung um die erforderlichen Verbindungen zu den örtlichen Handwerkern kümmern konnte. Ohne Zweifel besaß Prellinger ein herausragendes Organisationsgeschick, das angesichts der bedrohlichen Lage von Schloss Offenberg jetzt sehr gefragt war. Sein Vorgänger Nitsche zu David Graf von Sarntheins Zeiten hingegen, der sich in erster Linie als Propstrichter der Fürstäbtissin von Niedermünster in Regensburg verpflichtet fühlte, zeigte in dieser Hinsicht wohl wenig Interesse und Engagement.

Mit etwas Risiko darf man aufgrund einer Quittung für den Schreiner Peter Prindtl vom 16. November 1688 annehmen, dass Ihre Exzellenz bei der Übersiedlung in das Schloss Offenberg nicht einmal einen einigermaßen passablen Kleiderkasten und ein standesgemäßes Bett vorfand. Prindtl fertigte deshalb umgehend einen Kasten und ein vom Grafen persönlich geordertes Bettgestell. In den 15 Gulden, die er dafür erhielt, war allerdings auch gleich ein Vorschuss auf künftige Arbeiten enthalten.

Die chronologische Darlegung der verschiedensten Arbeiten im Laufe der ersten Jahre von Anton Sebastian Graf zu Montfort auf Schloss Offenberg zeichnet auch ein sehr düsteres Bild von den Inneneinrichtungen. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die noch existierenden Unterlagen, wie Leistungsverzeichnisse, Abrechnungen und Quittungen, alles andere als vollständig sind. Und überdies erfassen sie nur die reinen Lohnkosten. Aufwendungen für die diversen Baumaterialien sind nicht angegeben.

Am 15. August 1689 quittierte Ulrich Stöckhel dem Offenbergischen Verwalter Georg Prellinger den Erhalt von etwas mehr als 57 Gulden für umfangreiche Maßnahmen am sog. Amtshaus (Westflügel). Graf Montfort erachtete es wohl als vordringlich, dass zunächst einmal das Verwaltungsgebäude in einen ordentlichen baulichen Zustand gebracht werden sollte. Aufgrund der Quellenlage muss man davon ausgehen, dass zumindest der Graf selbst, wenn nicht seine ganze Familie, von Anfang an Schloss Offenberg als Wohnsitz benützten (s. Kleiderkasten und Bett). Die Tatsache, dass das Amtsgebäude vor dem Wohntrakt (Südflügel) hier den Vorzug erhielt, ist bemerkenswert. Zwischen den Zeilen jüngerer zeitgenössischer Unterlagen muss man der gräflichen Familie für ihre Bescheidenheit Anerkennung zollen.

Allein die Maurerarbeiten, die insgesamt 148* Arbeitstage erforderten, lassen den Zustand des zu diesem Zeitpunkt noch zweigeschossigen Verwaltungsgebäudes in keinem guten Licht erscheinen. Oder noch deutlicher: Es bestand akute Einsturzgefahr. Dies geht aus der ersten Baumaßnahme hervor, die den Abbruch der halben Hausmauer auf der Hofseite betraf. Dazu musste selbstverständlich das gesamte Dach abgenommen werden. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde das Amtshaus gleich noch um ein Geschoss erhöht.

In einem ähnlich desolaten Zustand befand sich auch die Mauer im Stallbereich (Nordflügel). Auch sie musste abgebrochen und neu hochgezogen werden. Obwohl es sich in beiden Fällen um keine besonders hohen Gebäudeteile gehandelt hatte, so muss man dennoch Maurermeister Ulrich Stöckhel und seinen Gesellen ein beachtliches Maß an bautechnischem Können bescheinigen, denn immerhin stand ganz Schloss Offenberg in seiner Bausubstanz "auf sehr schwachen Beinen".

Aber der Deggendorfer Maurer- und Schnapsbrennersohn Stöckhel war ganz offensichtlich ein Meister in derartigen heiklen Belangen. Noch 1724/25 stellte er dies beim Erweiterungsbau der Greisinger Wallfahrtskirche unter Beweis. Da seinerzeit dem ehrgeizigen Deggendorfer Pfleger Franz Ferdinand Freiherr von Thor die gerade mal gut drei Jahrzehnte alte Kapelle zu wenig repräsentativ erschien, wurde 1724 ein Erweiterungsbau in Auftrag gegeben. Stöckhel mauerte kurzerhand die "alte" Kirche im Inneren mit einer Blindwand zu und brach den vorderen Teil des Kirchenschiffs samt dem Altarraum ab. Während der gesamten Umbaumaßnahmen konnten so in der "verkürzten" Kirche Gottesdienste gefeiert werden, was angesichts der damals aufblühenden Wallfahrt und des damit reichlich anfallenden Opfergeldes ein überaus wichtiger Aspekt war. Auch wenn die Kapelle von 1691/92 fast noch ein Neubau war, hätten sich u.U. doch technische Probleme ergeben können. Davon ist aber in den vollständig erhaltenen Unterlagen kein Wort zu finden. Kurzum: Ulrich Stöckhel beherrschte sein Handwerk auch in schwierigen Situationen.

Nach der Sanierung des Stallgebäudes wandte man sich dem Innenausbau des neugeschaffenen zweiten Obergeschosses im Amtshaus zu. Acht Fuß Höhe (ca. 2,30m) drücken allerdings eine gewisse Bescheidenheit in den Ansprüchen des Bauherrn aus. Ein neuer Kamin in diesem Gebäudeteil lässt auch auf einen erheblichen Nachholbedarf in heizungstechnischer Hinsicht schließen.

Natürlich hatten auch Zimmermeister Thomas Änzenberger und seine Gesellen bei derartig umfangreichen Arbeiten einiges zu tun. Leider gibt eine Quittung vom 9. August 1689 über die am Amtshaus im einzelnen ausgeführten Arbeiten keinen Aufschluss.

Nur die Zahl der Arbeitstage - 123 - und die Gesamtsumme der Lohnkosten - 46 Gulden und 17 Kreuzer - ist bekannt. Ohne großes Risiko einer Fehleinschätzung darf man davon ausgehen, dass es sich hier in erster Linie um Arbeiten an der Amtshausbedachung gehandelt hatte. Teilabbruch einer tragenden Hausmauer und Aufstockung des Gebäudes ohne Abnahme des Daches ist nun einmal schwer vorstellbar. Möglicherweise wurde sogar eine umfassende Sanierung dieses Gebäudeteils vorgenommen. Da Arbeiten an Ziegeldächern grundsätzlich Sache der Maurer war und in diesem Jahr darüber nichts bekannt ist, könnte man sogar auf den Gedanken verfallen, dass das Verwaltungsgebäude ein Scharschindeldach besaß, für das dann ausschließlich die Zimmerleute zuständig gewesen wären.

Vom 5. November 1689 liegt noch eine zweite Rechnung von Maurermeister Stöckhel vor. Sie bezieht sich auf Arbeiten am Hauptgebäude. Mit 17* Gulden für 26* Arbeitstage hielt sie sich jedoch in Grenzen. Die Arbeiten umfassten im wesentlichen das Einmauern von Dachrinnenhalterungen, das Verputzen der beiden (offenen) Gänge zum Innenhof und die Erneuerung des Verputzes im gesamten Hof. Darüber hinaus nahm man im Zimmer des Grafen (sog. Grafenedl) die Renovierungsarbeiten in Angriff. Mit einiger Wahrscheinlichkeit handelte es sich dabei um den Raum an der Südwestecke des Haupttrakts. Zunächst mussten die Vorbereitungen für einen neuen Fußboden getroffen werden: Einmauern der sog. Polsterhölzer, auf die dann der Fußboden verlegt werden konnte. Auch der Ofen in diesem Raum dürfte kaum mehr den aktuellen Ansprüchen genügt haben: Aufmauern eines neuen Fundaments (Ofenfueß).

Bei aller Bescheidenheit konnte Ihre Exzellenz den depremierenden Anblick von herabfallendem Putz in seinem Kabinett nicht länger ertragen. Daher musste auch dieser erneuert werden. Aufgrund der vorliegenden Angaben war dieser Raum damals praktisch unbewohnbar. Nebenbei sei vermerkt, dass an den Arbeiten im Grafenzimmer Maurermeister Stöckhel persönlich beteiligt war. Immerhin mag er sich noch weitere Aufträge in diesem maroden Gebäude erhofft haben und wollte sich daher nicht die geringste Nachlässigkeit zu schulden kommen lassen. Geschäftssinn, gepaart mit Berufsehre!

Auch an der alten Schlosskapelle hatten im Laufe der Jahrzehnte Wind und Wetter ihre sichtbaren und vor allem nicht ungefährlichen Spuren hinterlassen. Ein Stein mit einem Kreuz drohte vom Kapellengiebel herunterzustürzen. Meister Stöckhel beseitigte umgehend auch diese Gefahrenquelle.

Mit den mit Datum vom 9. August 1689 abgerechneten Leistungen waren die Zimmermannsarbeiten noch lange nicht erledigt. Am 8. November folgte mit fast 72 Gulden ein "dicker Brocken" für den neuen Schlossherrn. Neue Dachrinnen am Haupttrakt, umfangreiche Arbeiten am Getreideboden und eine neue Kellertreppe einschließlich einer neuen Kellertür waren dringend erforderlich. Mit ihrem leuchtend roten Ölfarbenanstrich mögen die hölzernen Scharrünen (Scharrinnen) dem Schloss eine durchaus belebende Note verliehen haben. Die Weinbergmauer (vermutlich handelte sich hier um die Zwingermauer) wurde mit Schindeln neu eingedeckt. Selbstverständlich wurden auch diese mit roter Farbe auf Leinöl- und Polierrotbasis vor den Unbilden der Witterung geschützt. Warum dann ein neuer Fischkalter (Fischbehälter im Schlossweiher) ebenfalls mit dieser Modefarbe aus der Zeit um 1700 angestrichen wurde, muss offen bleiben. Den Löwenanteil an den 72 Gulden dürfte eine umfassende Sanierung des Pferdestalls verschlungen haben. Sämtliche Holzkonstruktionen, einschließlich aller Pferdestände, mussten erneuert werden. 33 Arbeitstage vor Michaeli und 188 nach Michaeli war das Team von Thomas Änzenberger mit diesen Arbeiten beschäftigt. Im Gegensatz zu seinem Kollegen von der Maurerzunft, der nur in den seltensten Fällen mit Hand angelegt hatte, arbeitete der Zimmermeister stets selbst kräftig mit. Von den insgesamt 221 Arbeitstagen gehen allein 33 auf das Konto des Meisters.

Nicht nur die Maurer und Zimmerer verdienten Anno 1689 erheblich an den fast allgegenwärtigen Schäden innerhalb und außerhalb der Offenberger Schlossmauern, sondern auch Schreiner Peter Prindtl. Angefangen von einer Bettstatt aus Nussbaumholz und einem Kinderbett, über einen Rahmen für ein Bild der jungen Herrschaft, mehrere Fensterläden und ganze Fensterstöcke (komplett mit Fensterrahmen) reichte die Palette seiner Arbeiten hin bis zur Reparatur der Fensterläden am Getreidekasten. Bei letzteren ist anzunehmen, dass sie zu fensterflügellosen Öffnungen des Getreidespeichers gehörten. Fensterlos deshalb, um eine konstante Durchlüftung zu gewährleisten, die ein Verschimmeln des wertvollen Brot- und Futtergetreides wirksam verhindern konnte. Der Löwenanteil jedoch des am 1. Dezember 1689 ausbezahlten Lohnes in Höhe von fast 63* Gulden steckte im sog. Tafelzimmer. Das gräfliche Speisezimmer benötigte dringend einen neuen Fußboden um sieben Gulden und zwei repräsentative Türen für 32 Gulden. Wohlgemerkt handelt es sich hier nur um den Arbeitslohn.

Das dafür erforderliche teure Eichenholz stammte wohl aus den herrschaftlichen Wäldern in der Nähe des Schlosses. Ohne Übertreibung dürfte demnach der Wert einer solchen Tür nach heutiger Kaufkraft und bei den heutigen Handwerkerlöhnen auf mindestens EURO 20000 veranschlagt werden.