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WerdenbergWenn es überhaupt möglich ist, einen typischen Charakterzug des Adels in der heutigen Zeit zu nennen, so sind es vielleicht Traditionsbewusstsein und das Bewahren von Werten. Aber auch das lässt sich nicht verallgemeinern. Wir möchten auch nicht Begriffe wie Pflichtbewusstsein, Bescheidenheit und Treue strapazieren, die so oft mit dem Begriff "Adel" in Verbindung gebracht werden.

Als Angehörige einer Familie mit langem Namen, oder, wenn Sie wollen, als Adliger, blickt man meist auf eine lange Familiengeschichte zurück, die eng mit der Geschichte des jeweiligen Landes verbunden ist. In vielen Fällen gilt es auch noch Besitz, vor allem auch Kunstbesitz, für die nächsten Generationen zu erhalten. In unserer Zeit bedeutet dies oft eine kaum mehr zu bewältigende Belastung, vor allem auch finanziell. Um dies zu bewerkstelligen, sind heute solide betriebswirtschaftliche Kenntnisse erforderlich und harte Arbeit. Mit den herkömmlichen Vorstellungen eines adligen Lebens, wie man es aus Überlieferungen vergangener Jahrhunderte kennt, hat das wenig zu tun.

Zunächst einmal möchten wir sagen, dass wir uns selbst nicht als Adlige fühlen und schon gar nicht verfügen wir über eine adlige Wahrnehmung. Wir achten und schätzen die Traditionen unseres Hauses und geben uns Mühe, diese auch weiterzuführen. Doch in der Praxis unterscheidet sich unsere Rolle nicht von der eines bürgerlichen Unternehmers, der einen alteingesessenen Familienbetrieb übernommen hat, und diesen auch für künftige Generationen erhalten will. Dies bedeutet vor allem Verantwortung gegenüber der eigenen Familie, aber auch gegenüber Mitarbeitern.

Um zur Elite eines Landes zu gehören, braucht es weit mehr als einen langen Namen. Dies erreicht man durch Ausbildung, sehr viel Fleiß und auch Glück. Wir bestreiten nicht, dass auch in unserer heutigen Zeit ein bekannter Familienname manche Tür öffnen kann. Doch diese sind sehr schnell wieder geschlossen, wenn man sich nicht bewährt, wenn man den Aufgaben nicht gewachsen ist.

Die Geschichte spielt eine große Rolle, und wir versuchen sie zeitgerecht darzustellen. Es ist uns auch wichtig unsere Aufgabe als Bewahrer einer Kunstsammlung aufzuzeigen, die heute der Öffentlichkeit zugänglich ist. Wir beschränken uns nicht auf die Rolle eines Leihgebers, wir sind selbst Veranstalter und Initiatoren von erfolgreichen Ausstellungen. Kontroverse Meinungen sind hierbei ausdrücklich erwünscht. Uns geht es um eine Auseinandersetzung mit unserer Geschichte, die zum Teil auch die Geschichte unserer Familie ist.

Es ist sicher eine Verpflichtung, die wir aber gerne annehmen und die wir als spannende Herausforderung sehe. Man kann das nicht verallgemeinern und es ist meiner Meinung nach auch davon abhängig, wie lange der zu erforschende Zeitraum zurück liegt und wie historisch relevant das Thema ist. Doch sollte man einer Familie das Recht zugestehen, sehr Privates von Angehörigen, die manche selbst noch kannten, nicht öffentlich zugänglich zu machen. Das ist für jedermann nachvollziehbar und würde in den sog. bürgerlichen Familien nicht anders gehandhabt. Ich sehe aber auch die Verpflichtung gegenüber der historischen Forschung. Das hat nicht mit standesgemäß zu tun das ist ein Mangel von Stil, der bei Adligen wie bei Nicht-Adligen zu beobachten ist. Interessanterweise werden meistens gerade die Menschen verfolgt, die die Medien für eigene Zwecke einzusetzen versuchen. Natürlich gibt es Vorfahren, auf die man stolz ist, und auf manche weniger auch das ist wohl in jeder Familie so. Immer und überall gab es Menschen, die sich inszeniert haben, wenn sie eine gewisse Rolle in der Öffentlichkeit spielten. Die große Mehrheit legt darauf keinen Wert unabhängig davon, ob aus aristokratischen Familien oder nicht. Wir glauben nicht, dass es eine spezifisch adlige Selbstinszenierung gibt.