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Schloss TettnangGeschichte Neues Schloss Tettnang

Die Grafen von Montfort residierten von 1260 bis 1780 in Tettnang. Zunächst bewohnten sie das spätmittelalterliche Torschloss, später eine Burg auf einem Bergsporn über der Bodensee- niederung. An Stelle dieser im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Burg errichtete Graf Johann VIII von Montfort 1667 stadteinwärts einen schlichten Neubau,das heutige Alte Schloss.

Der fürstliche Bau des Neuen Schlosses in Meersburg erregte die Aufmerksamkeit Graf Anton III. von Montfort und er beauftragte 1712 denselben Baumeister, Christoph Gessinger, mit dem Entwurf eines Schlosses in Tettnang. Seine durch Erbteilung sinkende politische Macht sollte durch einen repräsentativen Neubau in ein glänzendes Licht gestellt werden.

An Stelle der zerstörten Burg wurde ab 1713 die neue, dreigeschossige mit Türmen bewehrte Anlage errichtet, deren kostbare Ausstattung Bewunderung hervorrufen sollte. Ähnlich wie in Meersburg wird die Fassade durch mächtige Pilaster geordnet. Diagonal gestellte Ecktürme mit Treppenhäusern im Inneren flankieren die vier Bauteile, die in der Mitte jeweils pavillonartige Aufbauten tragen. Die Innenausstattung wurde ebenfalls durch hochrangige Künstler, die Freskanten Johann Michael Rottmay, Johann Rudolf Byss sowie den Stuckateur Dominikus Zimmermann glänzend ausgeführt.

Nach fünfzehnjähriger Bauzeit, das Schloss war noch nicht vollendet, ließ Graf Anton die Arbeiten einstellen: Die Schuldenlast war derart angewachsen, dass er von der Regierung abtrat. Sein Sohn Ernst ließ noch bis 1731 die Hofkapelle vollenden. 1753 brannte das Schloss bis auf die Erdgeschossgewölbe aus. Neben den Fassaden blieben nur wenige Reste der Innendekoration erhalten.

Der Wiederaufbau wurde von Graf Franz Xaver von Montfort betrieben: der Ruhm der Familie sollte, mit finanzieller Hilfe Österreichs, wiederum durch hervorragender Künstler gewürdigt werden. Bis heute wird der hohe künstlerische Rang des Neues Schlosses durch die damals entstandenen Innenausstattungen begründet. Die Arbeiten von Feuchtmayr, Dirr, Moosbrugger, Gigl (Stuck), Kuen, Brugger (Fresken) und J.J. Kaufmann und seiner Tochter Angelika (Porträts) ließen ein überaus prächtiges erstes Geschoss samt Treppenhäusern und Kapelle entstehen, das 1770 fertigstellt war.

Nach umfangreicher Restaurierung seit 1954 stehen die fürstlichen Räume den Besucherinnen und Besuchern im Schlossmuseum offen: sie finden hier auch originale Ausstattungsstücke. Neben den Appartements des Grafen und der Gräfin, sind auch der Bacchussaal mit Holländischem Kabinett, das Grüne und das Weiße Zimmer sowie das Fürstenzimmer mit dem Vagantenkabinett und die Kapelle geöffnet.

Ursprünglich gehörte zum Schloss auch eine Gartenanlage. Diese ist in ihrer barocken Form jedoch nicht mehr erhalten. Der heutige Garten wurde 1977 nach Vorbildern der Zeit um 1760 neu angelegt.

Das Neue Schloss wurde in seiner Innenausstattung nie vollendet, der Wiederaufbau endete mit der Ausgestaltung des ersten Geschosses. In zwei Generationen hatten die Montforts einen prächtigen Bau geschaffen, der es mit den Schlössern der herrschenden verwandten Familien aufnehmen konnte. Die ungeheuren Schulden erzwangen 1779 die Abtretung der Grafschaft an Österreich. Mit Graf Anton IV. starb die Familie 1787 aus.

In napoleonischer Zeit gehörte die Grafschaft Montfort für kurze Zeit zu Bayern, dann zu Württemberg. Über zweihundert Jahre lang wurde das Neue Schloss als staatlicher bzw. städtischer Behördensitz genutzt, bevor in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Restaurierung begonnen wurde.