Free Homepage Translation


Mit König Rudolf von Habsburg begann das Haus Habsburg seinen Besitz in Schwaben aus strategischen und machtpolitischen Gründen zu vergrößern. Der Südwesten bildete für Österreich ein wichtiges Verbindungsland zu seinen anderen großen Besitzungen in Tirol und Vorarlberg. Im Jahr 1282 kaufte Rudolf von Habsburg den Altshauser Gaugrafen die Grafschaft Friedberg, zu der auch Marbach gehörte, für seine Söhne ab. Der Kaufvertrag wurde am 5. Februar 1291 in Konstanz durch einen Ergänzungsvertrag bekräftigt - Marbach war österreichisch geworden!

Die Habsburger verpfändeten die Grafschaft jedoch bald wieder; im Jahr 1386 fiel sie als Pfand an die Grafen von Montfort (Sigmaringen-Scheer). 1452 schließlich wurde sie von einem Schwiegersohn des Sigmaringer Grafen, Eberhard Truchseß von Waldburg, von den Österreichern abgekauft. Als Eberhard starb, wurde die Grafschaft Friedberg-Scheer 1479 seinem Sohn Andreas übertragen.

Graf Andreas war bei seinen Nachbarn offenbar nicht sonderlich beliebt. Am 10. Mai 1511 wurde er, von der Jagd am Bussen nordöstlich von Marbach nach Scheer zurückreitend, von Graf Felix von Werdenberg im Ried bei Herbertingen getötet. An der Stelle des Verbrechens steht heute noch ein kleines Feldkreuz.

Nachfolger von Andreas wurde sein Schwiegersohn Wilhelm. In die Zeit seiner Herrschaft fielen die Bauernkriege (1525/26). Oberschwaben und das Allgäu waren eines der Zentren des Aufstandes. Ein rapides Bevölkerungswachstum, der zunehmende Druck der Grundherren auf die Erträge ihrer Untertanen und die gleichzeitigen adligen Beschränkungen von Jagd, Wasser und Wald: Dies sind einige Ursachen des Bauernkrieges. Wilhelm betätigte sich als Gegner der aufkommenden Reformation. Sein Verwandter, Georg Truchseß von Waldburg, befehligte im Frühjahr 1525 die Heere der süddeutschen Fürsten und Städte, die die aufständischen Bauern grausam niedermetzelten.

Nach Wilhelms Tod 1557 begann für die Truchsessen eine schwere Zeit; Österreich versuchte wiederholt, in ihren Besitz einzugreifen. Mißwirtschaft der Grafen und eine tiefe Verschuldung der Grafschaft (die Schulden wurden auf die Untertanen verteilt) kamen hinzu.

Der Dreizigjährige Krieg (1618-1648) hinterließ auch in Marbach seine Spuren. Es scheint wohl um 1633 von seinen Bewohnern nach und nach verlassen worden zu sein. Die Pest von 1635 wird das Ihrige dazu beigetragen haben.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Gegend allmählich wieder besiedelt. Die Felder waren unbestellt, teilweise wieder von Wald überwuchert. Zahlreiche Zuwanderer kamen in dieser Zeit in unsere Gegend, sie stammten aus der Nordschweiz, Vorarlberg oder dem Schwarzwald.

Mißwirtschaft erzeugten eine zunehmende Unzufriedenheit der Bauern in der Grafschaft Friedberg-Scheer, die sich mit ihren Beschwerden daraufhin an Österreich wandten (1673). Dadurch wurden die alten Ansprüche Österreichs wieder geweckt. Der Graf trat 1680 schließlich die Grafschaft an Österreich ab - Marbach war erneut österreichisch geworden. Die Herrschaft vor Ort lag jedoch nach wie vor bei den Grafen von Scheer. Viele Dokumente zeigen im weiteren Verlauf, daß diese nach wie vor wenig von einem zivilisierten Umgang mit ihren Untertanen hielten, wie z.B. ein urkundlich gut dokumentierter Rechtsstreit des Marbachers Benedikt Boscher mit der Scheerer Obrigkeit im Jahr 1722 zeigt.

1786 nahm die Herrschaft der Scheerer Grafen ihr Ende: Die gesamte Grafschaft Friedberg-Scheer wurde am 27. August 1786 für 2,1 Mio. fl an den Fürsten Karl Anselm von Thurn und Taxis verkauft.