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Per Hauserlass wurde das Erbfolgerecht durch das Hausgesetz der Grafen von Montfort und derer Stammlinien auf das erstgeborene Kind - unabhängig vom (noch unbekannten) Geschlecht bereits 1654 geändert. Insofern hatte der "immer wahrende Zusatz - im Mannesstamme ausgestorben" nicht immer den dargestellten geschichtlichen Hintergrund.

Dieses kam innerhalb einer Familienlinie auch in anderen Dynastien und Häusern vor. Als Beispiel :

Die Habsburger - 1740 starb auch die österreichische Linie im Mannesstamm aus. Nach der Heirat der Erbtochter Maria Theresia, deren Herrscherrechte Karl VI. mit der Pragmatischen Sanktion zu sichern versucht hatte, mit Franz Stephan von Lothringen nannte sich die Dynastie Habsburg-Lothringen.

Die verschwenderische Darstellung innerhalb der gegebenen Vermögensverhältnisse haben auch anheim dessen zu überlegt werden, inwieweit die eingeheirateten Häuser mit dem Vermögen umgegangen sind.

Als Beispiel: Durch die Ehe Wolfharts I. mit Agnes von Montfort-Feldkirch, der Witwe von Graf Hartmann von Werdenberg-Sargans, gelangte ein grosser Teil der Güter der Familie Werdenberg-Sargans im Rheintal und in Vorarlberg in die Hand der von Brandis (Herrschaften Blumenegg, Sonnenberg und Schellenberg sowie die Grafschaft Vaduz). Zuletzt kaufte Wolfhart V. von Brandis 1437 die Herrschaft Maienfeld mit dem Schloss Marschlins und veräusserte gleichzeitig seine bernische Besitzungen schrittweise an die Stadt Bern.

Weiter unten zum Ende wird die finanzielle Basis nach betriebs -wirtschaftlichen Standpunkten in Vereinbarung mit der geschichtlichen Abfolge beachtet und eingegangen.

Als Beispiel: Und als dann 1277 Hugo von seinem Schwestersohne, die aus dem alten Linzgau hervorgegangene Grafschaft Heiligenberg an sich brachte, gewohnte man sich, von da an seine Linie von Werdenberg-Heiligenberg zu nennen, im Gegensatze zu der Linie Hartmann’s von Werdenberg-Sargans.

Es darf als sicher angenommen werden, das seine Mutter Clementa eine Schwester Graf Hartmann’s des Jüngeren von Kiburg gewesen ist und das durch diese Verbindung zuerst der Name Hartmann in das Geschlecht der Werdenberger gekommen ist.

Aus diesem verwandtschaftlichen Verhältnis erklärt sich auch leicht, das dem Grafen Hugo I. gemeinsam mit dem Grafen Rudolf von Habsburg, dem Schwestersohn des älteren Grafen Hartmann von Kiburg, die Vormundschaft über die kiburgische Erbin Anna, die Tochter des jüngeren Hartmann, anvertraut wurde. Das brachte Hugo I. wohl häufig mit dem Habsburger in Beruhrung.

Die beiden Grafen fanden sich auch zusammen in einer Fehde gegen den Grafen Rudolf I. Von Montfort und gewannen den Abt von St. Gallen zu ihrem Verbündeten.

Als Graf Rudolf von Habsburg zum römischen König gewählt worden war, übertrug er dem befreundeten Werdenberger die Landvogtei Oberschwaben mit dem Auftrag, das dem Reiche Entfremdete zurückzufordern.

Schon am 14. März 1274 urkundete Hugo I. als judex provincialis superioris Sveviae und hat - gewöhnlich unter dem Titel eines Landgrafen - die Verwaltung dieser Lande bis zu seinem Tode besorgt.

Auf dem Zuge gegen Ottokar von Böhmen stand er an Konig Rudolf’s Seite und erscheint nachher oft als Zeuge in seiner Umgebung. Der Ankauf von Heiligenberg ist durch Rudolf vermittelt worden. Eine zwiespaltige Abtwahl im Kloster St. Gallen benutzte Hugo, um den großen Hof Bütswil und die Stadt Lichtensteig im Thurthal als Pfand in seine Hand zu bringen und dadurch mitten im Gebiet der kräftigen Toggenburger Grafen eine feste Stellung zu gewinnen. Als Haupt des Hauses Werdenberg führte er die Vormundschaft über die 3 Söhne seines früh verstorbenen Bruders Hartmann I. von Werdenberg- Sargans.

Hugo II., der Einäugige, Hugo’s I. einziger Sohn, hielt ebenfalls fest zum Hause Habsburg. Wie gut Hugo II. bei König Rudolf angesehen war, geht daraus hervor, das er im Januar 1281 mit Anderen auserwählt wurde, um des Königs Tochter Clementia zu ihrem Verlobten Karl Martel nach Neapel zu geleiten.

In dem Streite der Habsburger mit dem aufstrebenden Zürich, mit dem Abte Wilhelm von St. Gallen aus dem Hause Montfort und mit dem Bischof von Constanz aus dem Hause Habsburg- Laufenburg, in dem Kampfe Herzog Albrecht´s um die Krone: überall setzte Hugo II. seine ganze Person ein.

Im April 1292 hat er den österreichischen Herzogen das durch Zürich hart belagerte Winterthur gerettet, sodann mit Herzog Albrecht das abtische Wil belagert und nach zweimonatlichem Widerstande erobert. Hier, auf dem Felde von Wil, wurde er mit seinem Vetter Rudolf II. Von Werdenberg-Sargans durch Albrecht zum Ritter geschlagen. Zum Danke für diese getreuen Dienste soll auch ihm, wie einst seinem Vater, die Landvogtei in Oberschwaben übertragen worden sein.

Ende Juli 1305 wird Hugo II. zum letzten Male urkundlich erwähnt.

Albrecht I. erscheint zuerst als Zeuge in einer Urkunde vom 25. August 1308. Wie sein älterer Bruder und seine sargansischen Vettern trat Albrecht I., der Überlieferung des Archives unseres Hauses folgend, zunächst in Dienstverhältnisse zu den österreichischen Herzogen und ergriff die Partei Friedrich des Schönen. Nachher aber wusste er sich in seiner langen Laufbahn mit Ludwig dem Baier und Karl IV. nicht weniger gut zu stellen. Von Konig und Kaiser Ludwig ist er zum Reichslandvogt um den Bodensee und zum Reichsvogt der Länder Uri, Schwiz und Unterwalden ernannt worden (1327 und 1331 urkundet Albrecht unter diesen Titeln) und König Karl ernennt ihn 1348 zum capitaneus et defensor episcopi Tridentini.

Auch die Erwerbung der oberhalb an Werdenberg angrenzenden Herrschaft Wartau mit der stattlichen Burg dieses Namens geht auf Albrecht I. zurück, der damit den Sarganser Grafen näher auf den Leib rückte und auch seine Stellung gegen diese stärkte.

Dagegen veräußerte er seinen im Machtbereich der Toggenburger gelegenen Besitz, der die Gefahr von konflikten mit dem tatkräftigen Geschlechte in sich barg und bei seiner ausgesetzten Lage in einem solchen Falle kaum haltbar gewesen wäre.

So schien das Haus Werdenberg-Heiligenberg um die Mitte des 14. Jahrhunderts mächtiger als je dazustehen, um so fester, als seit dem Jahre 1334 Albrecht I. der einzige seines Stammes war und dessen ganze Gewalt in seiner Hand vereinigte.

Schon bedenklicher ließ es sich an, als Albrecht I. im Januar 1360 mit den Grafen von Montfort-Feldkirch in offenen Krieg geriet über das Erbe der am 29. März 1359 im Mannesstamm ausgestorbenen Linie Montfort-Tosters und Graf Rudolf III. von Feldkirch und seine Söhne sich unter den Schutz des weitsichtigen Herzog Rudolf IV. von Österreich stellten, um sich vor der Rache der Werdenberger für den Überfall der linksrheinischen Gebiete und deren Verwüstung zu sichern.

Das Haus Österreich und Graf Joachim von Zollern hatten die Verteilung der Werdenbergischen Besitztümer mit dem Segen von Kaiser Karl V. untereinander geregelt. Inneringen fiel demnach zusammen mit der Herrschaft Jungnau an den Grafen Friederich den Älteren von Fürstenberg, den Schwiegersohn des Grafen Christoph von Werdenberg. Schon damals sorgte man also dafür, dass alles in der Familie blieb. Und schon damals ging es nicht ohne Streit ab. Im nach hinein gab es Streit zwischen den Zollern und den Fürstenbergern bezüglich der Verteilung des Erbes, dieser wurde jedoch 1540 im "Pfullendorfer Vertrag" geschlichtet.

Durch seine Vermählung mit Gräfin Anna von Werdenberg erbt Graf Friedrich II. von Fürstenberg im Jahr 1534 die Grafschaft Heiligenberg nördlich des Bodensees sowie die Herrschaften Jungnau und Trochtelfingen.

Barbara von Montfort-Tettnang heiratete 1556 Christoph I., Graf von Fürstenberg.

Es gelang Albrecht I., den Grafen Rudolf I. von Montfort-Feldkirch mit seinem ältesten Sohn Ulrich auf dem Bodensee aufzufangen, als sie von Arbon nach Lindau fahren wollten. Um die Freiheit wieder zu erhalten, mussten sie sich zu einem Frieden herbeilassen, in dem die Werdenberger alles Verlorene zurück erhielten und ihre Ansprüche an das Erbe von Tosters behaupteten.

So konnte Albrecht I. seine Tage in Ruhe beschließen; aber die werdenbergische Herrschaft war durch den Montforter Krieg doch heftig erschüttert und geschwächt, die Grafen in arge Geldnöte und Prozesse verwickelt, und die eingeleitete enge Verbindung der ihnen nun erst recht feindlich gesinnten Montforter mit Österreich gewann um so bedrohlichere Gestalt, als dieses so gewaltig herangewachsene und um sich greifende Haus nicht bloß das Hinterland der vorarlbergischen Landschaften, Tirol, an sich brachte, sondern zwei Jahre später durch den Ankauf der ansehnlichen Feste Neuburg bei Götzis mitten in dem bisher unbestrittenen Machtbereich des ursprünglichen Hauses Montfort-Werdenberg festen Fuß faste.

Erwähnenswert sind aus der Linie: Felix, ein tüchtiger Kriegs- und Hofmann im Dienste Maximilian’s und Karl`s V. gelangte durch Heirat mit einer wallonischen Erbin zu reichem Besitze im Luxemburgischen und überließ schon 1510 die ihm bei der Teilung zugefallene Herrschaft Sigmaringen mit Veringen seinem Bruder Christoph, „weil wir sonst und an andern Orten genugsam und wohl versehen sind“.

Agnes von Werdenberg-Heiligenberg heiratet Jost Niklaus I. Graf v. Hohenzollern.

Der Beispiele aus der Verheiratung in das Haus Hohenzollern- Sigmaringen: Meinrad II. Karl Anton (1673-1715), Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen ∞ 1700 Gräfin Johanna Katherina von Montfort (1678-1759) sowie Friederike Christiane Maria, Gräfin von Hohenzollern-Sigmaringen (1688-1745) ∞ 1718 Graf Sebastian von Montfort-Tettnang (1684-1728).

Die Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen und ihre vor allem wirtschaftlich weniger erfolgreichen Vettern von Hohenzollern -Hechingen waren jedoch des Regierens bald überdrüssig. Im Jahr 1850 verkauften sie ihre gesamten Herrschaften an ihre evangelischen Vettern aus Preußen.

Die Ehe der Magdalena von Werdenberg mit dem Grafen Egmont ist ein weiteres Beispiel für die zunehmenden Eheverbindungen oberschwäbischer und niederländischer Adliger.

Magdalena von Werdenberg, Tochter des Grafen Georg von Werdenberg und Cousine von Kaiser Maximilian I. von Habsburg, Herzog von Burgund, ab 1486 römisch-deutscher König, ab 1493 Erzherzog von Österreich und ab 1508 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Verheiratet mit Johann III. von Egmond, Herr von Baer, Lathum, Hoogwoude, Hoogwoude und Aarstwounde sowie Herr von Purmerend, Purmerland und Ilpendam. Er war Statthalter von Holland, Seeland und Westfriesland und erster Graf von Egmond.

Wie sein Vater, unterstützte er die Burgundische Partei im Kampf um die Macht in Geldern. Als Karl der Kühne 1472/73 die Macht dort übernahm, machte er ihn zum Vogd von Westfriesland und 1474 zum Gouverneur von Arnhem. Während des sogenannten Haken-und Kabeljau-Krieges stand er auf Seiten des Kaisers Maximilian, der ihn dafür 1483 mit der Statthalterschaft über Holland, Seeland und Westfriesland belohnte. Im Jahr 1486 erhob der Kaiser das Land zur Reichsgrafschaft.

1491 wurde er Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies.

Das Paar hatte 9 Kinder.

Beispiel Münzwesen: Das begann um 1620 mit der Prägung unterwertiger Taler in Tettnang und der Verpachtung der Münzprägung an eine Gruppe von Unternehmern, die 1621 die Münzstätte in Langenargen einrichteten und dort Taler und Dreibätzner, also 12-Kreuzer-Stücke, herstellten.

Als 1623 die deutschen Fürsten beschlossen, und zu gutem Geld zurückzukehren, kaufte Graf Hugo von Montfort die wertlos gewordenen Münzen in großen Mengen zum Altmetall-Preis auf und prägte aus dem darin enthaltenen Silber vor allem Halbbatzen, 2-Kreuzer-Stücke. Der Kreuzer hatte seinen Namen vom Doppelkreuz auf der Vorderseite.

Das Münzregal gehörte je nach Blickwinkel zu den Majestäts -rechten oder den fiskalischen Rechten: das ius cudendi monetam, der Münzgewinn, der aus dem Unterschied zwischen Metallwert und Kaufwert herrührte, wurde jedenfalls stets von der Reichsgewalt beansprucht und ausgebeutet. Die Grafen von Montfort prägten die Stücke zwar unterwertig, aber ein paar Jahre später war die allgemeine Geldentwertung so weit vorangeschritten, dass die alten schlechten Gulden nun gar nicht mehr auffielen und als akzeptabel galten, und dann wurden sie gegengestempelt. Denn die Grafen von Montfort waren beileibe nicht der einzige Münzstand, der schlechtes Geld prägte.

Löwenstein, Öttingen, Sayn, auch geistliche Fürsten wie der Bischof von Konstanz und Städte wie Kempten wurden getadelt, und auch der Kaiser selber beteiligte sich an der Münzverschlechterung.

Die Geldentwertung war eine allgemeine Erscheinung. Das Münzrecht inne zu haben, war ein sehr lukratives Vorrecht, da der Schlagschatz, den die Münzmeister leisten mussten, erheblichen Gewinn insbesondere bei den Scheidemünzen mit sich brachte. Für viele Fürsten des Mittelalters und der Neuzeit war dies neben den Steuern die größte Einnahmequelle. Da sie einen auf -wendigen Lebensstil verfolgten und oft militärische Konflikte austrugen, konnte es sogar vorkommen, dass sie sich von den bei ihnen angestellten Münzmeistern Geld leihen mussten.

1763 schloss Graf Franz Xaver die Münzstatte Langenargen und prägte keine Münzen mehr. Er behielt allerdings die Münzstätte mit allem Zubehör, in der Hoffnung, später wieder anfangen zu können. Dazu kam es aber nicht. Die heutige Inanspruchnahme wird durch unser Haus durch noch laufende gerichtliche Beschlüsse, wieder hin zu einer Privatbank, angestrebt.

Nach vielerlei dargestellten, unseres Hauses mehr fiktive Behauptungen, wird als Beispiel für Misswirtschaft gerne das Haus Montfort angeführt. Dabei sollen sich manche oberschwäbischen Grafen und Ritter „in eine Orgie der Verschwendung“ gestürzt haben. Sowohl die „Erfordernisse einer verstärkten Bürokratisierung“ wie „die barocke Selbst -darstellung im höfischen Gewande [haben] gerade die karglichen Mittel der Reichsgrafschaften oft zum äussersten angespannt, so dass die Mediatisierung letztlich unvermeidlich gewesen sei. „Die kleine oberschwäbische Grafschaft Montfort ging 1776 [!] sogar endgültig bankrott und wurde daraufhin von Österreich übernommen.“

Dieses Urteil kann sich auf die altere Hausgeschichtsschreibung stützen.

Nach Vanotti 1845 haben „Mangel an Sparsamkeit und eines geordneten Haushaltes“ den „Verfall dieser edlen Familie herbeigeführt“. „Statt die Kriegswunden zu heilen, Wirtschaft und Finanzen zu ordnen und zu heben, fronten sie, [...] als echte Barockmenschen ungezügelt und hemmungslos ihrer Baulust und Prachtliebe und besiegelten so ihren Untergang.“ Als die „Hauptursache der finanziellen Misere [...] in den für eine Herrschaft dieser Große überzogenen Kosten für eine standesgemäße Hofhaltung“.

Eine Durchsicht der Quellen zum Finanz- und Schuldenwesen der Grafen ergibt ein komplexeres Bild. Der Herrschaftsverlust der Grafen ist maßgeblich auf die zielgerichtete Territorialpolitik Österreichs zurück zu fuhren. Im Zusammenhang mit weiteren Erwerbungen Osterreichs im nordöstlichen Bodenseeraum konnte man zugespitzt von einer Politik der ‚österreichischen Immediatisierung vor der napoleonischen Mediatisierung’ sprechen.

Um die Verschuldung einordnen zu können, bedarf es eines Blicks auf Einkommen und Ausgaben der Grafen. Dazu stehen für 40 Jahre, also die Hälfte der Regierungsjahre zwischen 1700 und 1780 vergleichbare Jahresrechnungen der Herrschaft Tettnang und für 17 weitere teilweise verwertbare Daten zur Verfügung. Auf die methodischen Probleme der Auswertung kann ich hier nicht eingehen. Zu bedenken sind,

-dass es sich ausschließlich um Geldrechnungen handelt, also Lieferungen von Naturalien zum Verbrauch am Hof, als Gehaltsbestandteile und zur Bezahlung von Fremdleistungen nicht berücksichtigt sind,

· ein Großteil der aufgenommenen Kredite und wohl auch ein Teil der Schuldablösungen in den Rechnungen nicht auftauchen,

· die Aufwendungen für die Lebenshaltung der gräflichen Familie und für Bauten sicher deutlich höher liegen als aus den Rechnungen zu ersehen.

Wenn die Analysten unseres Hauses von den Durchschnitts -werten ausgehen, die sich für die 40 Jahre errechnen lassen, dann ist festzustellen, dass Einnahmen und Ausgaben des ordentlichen Haushalts, also ohne Kapitalaufnahmen und -ablösungen sowie Zinszahlungen, sich mit ca. 23.000 Gulden in etwa die Waage halten, erst die Zinszahlungen in Hohe von ca. 5.700 Gulden und damit immerhin ein Viertel der ordentlichen Ausgaben und erst recht die Ablösungszahlungen bringen den Haushalt der Herrschaft aus dem Gleichgewicht. Rechnet man die Einnahmen der Herrschaften Argen und Schomburg dazu in Höhe von netto etwa 10.000 Gulden., dann hatte man mit Mühe die Zinszahlungen aufbringen können, aber keinen Spielraum mehr für Schuldablösungen gehabt. In Wirklichkeit muss man davon ausgehen, dass zu den ca. 30-35.000 Gulden ordentlichen Einnahmen jährlich nochmals 20.000 Gulden Schuldaufnahmen dazu kamen. Zusätzlich zu den ca. 25.000 Gulden ordentlicher Ausgaben wurden jährlich ca. 10.000 Gulden Schulden beglichen und 5.700 Gulden Zinsen bezahlt, so dass für Hof und Bauwesen zusätzlich zu den ordentlich abgerechneten 12.000 Gulden mindestens nochmals dieselbe Summe aufgewendet wurden.

In den 1770er Jahren errechneten die Analysten unseres Hauses einen Bruttoertrag der Herrschaft Tettnang von über 30.000, der Herrschaft Argen von etwa 10.000 und der Herrschaft Schomburg von 2.000 Gulden unter Einbezug aller Natural -einkünfte. Nach Abzug aller unabdingbaren Kosten von etwa 10.000 Gulden hatten für die Hofhaltung etwa 10.000 und für den Schuldendienst etwa 20.000 Gulden zur Verfügung gestanden. Damit wäre man Mitte des Jahrhunderts noch einigermaßen über die Runden gekommen, aber zu diesem Zeitpunkt waren allein an Zinsen 32.000 Gulden jährlich angefallen und für Hofhaltung und Bauwesen reichten zu keinem Zeitpunkt 10.000 Gulden.

Aber wie sieht es bei anderen Adelsfamilien aus?

Finanzgeschichte ist mühsam und wenig attraktiv. Deshalb gibt es auch nur eine einzige, aber vorbildliche Finanzgeschichte eines anderen oberschwäbischen Territoriums: über die Grafschaft Friedberg-Scheer. Die ordentlichen Einnahmen und der disponible Ausgabenspielraum lagen dort etwa um ein Viertel niedriger als bei den Grafen von Montfort. Auch dort kam es zu einer Finanzkrise und Debitkommissionen, 1679 sogar zu einer Gefangennahme des Grafen wegen Misswirtschaft und einem Schuldenberg von dort maximal 318 000 Gulden 1752.

Die Friedberg-Scheerer Linie der Grafen von Waldburg-Zeil starb 1772 aus, ihr Besitz fiel durch Erbvergleich an die Wolfegger Linien, die die Grafschaft 1785 an den Fürsten von Thurn und Taxis um die erwähnten 2,1 Mio. Gulden verkauften und sich dadurch sanieren konnten.

In Oberschwaben, westlich der Iller und in Vorarlberg residierten Anfang des 18. Jahrhunderts 14 Hochadelsgeschlechter (sechs Linien der Waldburger, drei der Fürstenberger), Anfang des 19. Jahrhunderts nur noch sechs. Soweit bekannt galten alle als verschuldet, man findet in der Literatur aber kaum klare Zahlen. Nur die Fürstenberger verfügten über deutlich höhere Einnahmen als die Montforter, aber auch sie standen mehrfach vor dem finanziellen Zusammenbruch.

Kaiserliche Debitkommissionen sind außer für Montfort und Friedberg-Scheer bekannt von

· Waldburg-Trauchburg-Kislegg,

· Waldburg-Waldsee, 1778 - 1780 ebenfalls mit Gefangennahme des Grafen,

· Fugger-Wellenburg mit der Herrschaft Wasserburg,

· beiden Linien Hohenem, wo Graf Anton von Montfort sogar 1716 - 1718 als Administrator waltete.

Fünf dieser Fälle endeten letztlich mit dem Aussterben der Geschlechter (Hohenems, Waldburger) und damit überschneidend in drei Fällen mit Verkaufen (Wasserburg, Tettnang, Friedberg-Scheer).

Der Konkurs wurde festgestellt bei den Fugger-Wellenburg und den Montfortern.

Ein Blick auf die Schlossbauten: Von der Renaissance bis zum Klassizismus bauten 15 Familien (mit den Zimmern) 16 Schlösser, davon drei die Montforter, und nehmen neun größere Um- und Ausbauten vor, davon zwei die Montforter, sie waren also von 25 größeren Baumaßnahmen allein für ein Fünftel verantwortlich. Alle anderen größeren Schlösser Oberschwabens wurden im späten16. und frühen 17. Jahrhundert erbaut. Von den barocken Schlössern ist Tettnang das größte und musste nach dem Brand überdies ein zweites Mal ausgestattet werden. Die Montforter gaben also im 18. Jh. wesentlich mehr Geld aus für Baumaßnahmen als ihre Standesgenossen. Außer den Schlössern finanzierten die drei letzten Generationen von Grafen u.a. den Bau eines Klosters, einer Pfarrkirche, eines Spitals sowie dreier Kapellen und stifteten fünf Kaplaneien.

Die Waldburger und Fürstenberger konnten sich konsolidieren nach dem Erlöschen von Linien durch den Anfall deren Herrschaften. Anders als die Fürstenberger, Waldburger und Königsegger erhielten die Montforter auch keine Ämter des Kaisers oder der bayerischen Kurfürsten mit ihren Zusatzverdiensten übertragen. Entlastung brachten nur die Domherrenstellen, die sie dem verschwägerten Kardinal Schönborn verdankten und die Pfründen der Damenstifte für ihre Töchter.

Aber gerade der Verzicht von drei Grafen in der letzten Generation auf Heirat und die Versorgung von zweien mit kirchlichen gut dotierten Kanonikaten führten dann auch zum Aussterben der Familie.

Die finanzielle Lage der oberschwäbischen Hochadelsfamilien unterschied sich nicht wesentlich.

Aber nur zwei Familien, die Montforter und die unbedeutenden Fugger-Wellenburg schlidderten in den Konkurs. Die Schlossbauten der Montforter nach den Zerstörungen im 30jährigen Krieg und dem Brand sowie ungünstigere Randbedingungen mögen die Montforter in eine besonders prekäre Lage gebracht haben. Aber wir dürfen den Blick nicht nur auf die Scheiternden, sondern auch auf den Nutznießer Österreich richten.

Die österreichische Politik -insbesondere in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, ließ sich immer weniger vom Wohl des Reichs und immer mehr von erbländischen Interessen leiten. An die Stelle indirekter Herrschaft über Klientelbeziehungen im Reich trat verstärkt die Stärkung der eigenen Position durch territoriale Zugewinne und Ausbau der eigenen Hausmacht. Angela Kulenkampff spitzt das dahingehend zu, dass Ziel der Politik des Staatskanzlers Kaunitz die „Umgestaltung der Reichsverfassung im Interesse Österreichs“ und eine „Neuorganisation Süddeutschlands, um von Süden her unter Einschluss der gesamten wittelsbachischen Länder die Brücke zu den südlichen Niederlanden zu schaffen“ gewesen sei. Sie überzieht jedoch, wenn sie die „Auflösung der süddeutschen Reichskreise 1780/81“ und die Eingliederung der schwäbischen Grafen, in den Untertanenverband Vorderösterreichs“ konstatiert.

Österreich hatte den Niedergang der Grafen von Montfort im Spätmittelalter bereits nutzen können, um Vorarlberg zu einer fast geschlossenen Landesherrschaft auszubauen. Bis 1755 hat das Kaiserhaus dann die Grafen als seine Klientel eher gestützt, die Gläubiger immer wieder vertröstet und sich um die „Aufrechterhaltung des uralt katholischen, um das Hl. Römische Reich und das allerdurchlauchtigste Erzhaus Österreich in vielen Wegen hochverdiente gräfliche Haus von Montfort“ bemüht.

Nun aber wurden die montfortischen Herrschaften zum Objekt eines ‚Wirtschaftskrieges’ zwischen Österreich und Bayern um die Steigerung des Salzexports in die Schweiz. Um nicht gegen Österreich ins Hintertreffen zu gelangen, wollte Bayern ein „dominium“ am Bodensee als sicheren Ausfuhrhafen erwerben. „Es begann ein ‚Wettlauf’ zum Bodensee.

1752 hatte der Kaiser den Verkauf der bis 1592 montfortischen und unmittelbar an die Herrschaft Argen angrenzenden kleinen Herrschaft Wasserburg angeordnet, die im Besitz der Grafen von Fugger-Wellenburg mit 410 000 Gulden verschuldet war. 1754 meldete sich der Kurfürst von Bayern als Kaufinteressent, um anstelle der bisherigen Salzfaktorei in Lindau eine eigene Salzniederlage in Wasserburg zu errichten. Ein Gutachten der österreichischen Staatskanzlei kam 1755 zu dem Ergebnis, dass man „die Herrschaft Wasserburg nicht aus Händen [...] lassen“ könne, da der „tirolische Salz-Verschleiß nach der Schweiz und Schwaben um so vieles abnehmen müsse, als der kurbayerische anwachse [...], weil [...] Kurbayern besseres Salz um ein wohlfeileres Geld liefere, und die Schweizer, so nur auf die Gelegenheit warteten, an sich ziehen könnte“. Es sei generell bedenklich, „wenn Kurbayern sich an dem Bodensee festsetze, den Getreidehandel mit der Schweiz an sich ziehe und die Gelegenheit erhalten sollte, der Grafschaft Bregenz die Zufuhr sperren und diesen Schlüssel zu Tirol und den italienischen Landen beunruhigen zu können.

Mithilfe eines Kredits des Reichsstifts Salem erwarb daraufhin Österreich die Herrschaft.

Im gleichen Gutachten wird auch erörtert, dass „Langenargen, so gleichfalls an dem Bodensee sehr wohl gelegen und mit einem guten Hafen versehen ist, sich in des Grafen Montfort Händen befindet“, der wegen seiner Schulden dringend 500 000 Gulden gegen Verpfändung seiner Rechte in der Herrschaft und im Lindauer Hochgericht auftreiben müsse. Wurden diese Rechte an das Haus Bayern gelangen, so sei mit einem Erwerb Wasserburgs gar nichts erreicht, da dann eben in Langenargen die „Beförderung seines Salz- und Getreidehandels“ betreiben wurde. Gewahre Österreich dem Grafen den benötigten Kredit, so könne es sich „von den kurbayerischen Salz- Beeinträchtigungen und anderen nachteiligen Folgen beständig sicher ... stellen“. Bleibe der Grafmit den Zinszahlungen im Rückstand, so könne sich Österreich „in den wirklichen Besitz der besagten Herrschaft setzen“ und dem Grafen seien „die Hände völlig gebunden“ und damit „der Weg gebahnt, mit der Zeit die schöne und wohl gelegene Herrschaft Langenargen vollkommen an das durchlauchtigste Erzhaus zu bringen“. Die Argumente überzeugten, der Graf von Montfort bekam sein Darlehen, die Rechnung ging auf.

Gleichzeitig bot 1755 die verschuldete Reichsstadt Buchhorn Österreich das Hafen- und Stapelrecht an und wollte sich seinem Schutz unterstellen bei formeller Erhaltung seiner Reichsstand -schaft.

Dagegen legte aber der Schwäbische Kreis Protest ein. In Wasserburg und Argen gescheitert, versuchte daraufhin Bayern in Buchhorn Fuß zu fassen. Dort gelang es ihm, am 21. August 1755 den sog. „Salzvertrag“ zu schließen, wonach Bayern in Buchhorn seine Salzniederlage errichten konnte. Dagegen erhob Österreich nach anfänglichem Widerstand aus unbekannten Gründen keinen Widerstand. Vielleicht war Österreich zufrieden, dass es Bayern immerhin nicht gelungen war, sich ein „dominium“ am Bodensee zu sichern. Wirtschaftlich operierte Bayern dagegen erfolgreich, die Schweiz wurde Bayerns größter Salzexportmarkt. 1777 beendeten Bayern und Österreich ihren Handelskrieg mit einem Transitvertrag.

1769 schien Bayern doch noch mit dem Erwerb eines „dominium“ am Bodensee Erfolg zu haben.

Da die Straße von Ravensburg nach Buchhorn oft nicht passierbar sei und sich die Straße über Tettnang nach Langenargen in einem besseren Zustand befinde, verhandelte Bayern seit 1765 mit dem Graf Franz Xaver von Montfort über den Kauf der Herrschaft Argen und bot 800 000 Gulden als Kaufpreis. Unter Berufung auf sein Vorkaufsrecht konnte Österreich aber wiederum verhindern, dass sich Bayern am Bodensee festsetzte.

Mit seinem Veto gegen den Verkauf an Bayern blockierte Österreich erfolgreich die letzte Möglichkeit einer Sanierung des Hauses Montfort.

Die eigenen Verkaufsverhandlungen über einen Ankauf der Herrschaft Argen zögerte es so lange hinaus, bis 1773 die Hofkammer die Immission in die Kameralverwaltung der Herr -schaft erwirkt hatte und 1776 der Graf seine Zahlungsunfähigkeit erklären musste.

Zwischen Hofkanzlei und Hofkammer stritten sich die Beamten zunächst noch um die Gewichtung der territorialen Interessen gegen finanzielle Bedenken und ob man nicht einfach den Rückfall der Herrschaften an das Reich nach dem Tod der beiden Grafen abwarten solle. „Mich dünkt immer, man sehe nur auf den Ertrag, wie er dato liegt, ohne auf die Jura und Regalia auch andere Vorteile[...] eine Rücksicht zu nehmen. Tettnang mit Zubehör ist und bleibt halt immer für das allerdurchlauchtigste Erzhaus eine sehr vorteilhafte Aquisition. Schließlich entschloss man sich zum Kauf, da die „Aquisition nicht nur wegen der Lage der Herrschaften zu Verbindung der zerstreuten österreichischen Besitzungen sehr vertraglich befunden“, und um alle Unwäg- barkeiten eines noch lange dauernden Konkursprozesses und die Trennung der Allodien von den Lehen zu vermeiden. So wurde „die Verbindung der Landvogtei mit Vorarlberg und also eines großen Teils von Vorderösterreich, welche schon so lange gesucht worden“ sei, erreicht.

Der Erwerb der Grafschaft brachte Österreich zudem eine zweite Stimme im Grafenkollegium des Schwäbischen Kreises ein, nachdem es 1769 bereits mit dem Anfall der Grafschaft Hohenems eine erste Stimme erhalten hatte, womit es nicht nur direkten Einfluss auf die Kreispolitik gewann, sondern auch seine Vorarlberger Herrschaften arrondieren konnte.

Kurz vor der napoleonischen Flurbereinigung konnte Österreich seine Herrschaft in Oberschwaben weiter ausbauen: Nach der Säkularisation eignete es sich mittels des Epavenrechts ehemals geistlichen Besitz an, in der Herrschaft Tettnang die Rechte der aufgehobenen Klöster Weingarten und Weissenau, in Vorarlberg die Herrschaften Blumenegg und St. Gerold.

1804 bewegte es den Grafen von Königsegg-Rothenfels zum Eintausch seiner Grafschaft Rothenfels im Allgäu gegen Besitzungen in Ungarn und kaufte vom Fürsten von Bretzenheim die ehemalige Reichsstadt Lindau. Damit war die Landbrücke zwischen Vorarlberg und der Landvogtei nun auf breiter Front geschlossen. Der Kauf der Grafschaft Weissenau zwischen Landvogtei und der Herrschaft Tettnang konnte nicht mehr vollzogen werden. Zweimal hatte ein Verlust von Tettnang abgewehrt werden müssen, 1802 hatte der Fürst von Bretzenheim eigentlich lieber Tettnang als Lindau haben wollen und 1804 wäre der Graf von Königsegg-Rothenfels lieber nach Tettnang als auf ungarische Güter umgezogen.

Dieser Ausbau der österreichischen Position am Bodensee kontrastiert allerdings zu den mehrfachen Überlegungen, ganz Vorderösterreich aufzugeben, so 1740 und wieder 1780 an Bayern und schließlich wurde im Wiener Kongress auf den Rückerwerb der Vorlande zugunsten des Zugewinns von Salzburgs verzichtet. Es gab also im 18. Jahrhundert keine durchgehende stringente Strategie.

Es konkurrierten

· dominant die Linie des Ausbaus der schwäbisch- öster reichischen Besitzungen vom 17. Jh. bis 1805,

· flankierend die Strategie indirekter Herrschaft über Klientel- beziehungen. So wird Anfang des 18. Jh.s den Liechtensteinern und Ende des Jh.s den Thurn und Taxis der Erwerb von Reichs- grafschaften ermöglicht. 

Beide Grafschaften, Vaduz-Schellenberg und Friedberg-Scheer, hatten auch gut zur Abrundung österreichischer Besitzungen getaugt.

· die wiederkehrenden Überlegungen, sich die ganzen Vorlande als Ballast vom Hals zu schaffen.

Zum Aussterben im Mannesstamm in der Bodensee-Region: Die Grafen von Montfort konnten als eines der ältesten Adels- geschlechter Schwabens ihren Stammbaum bis in die Zeiten der Karolinger zurück verfolgen. Die Geschichte der Familie ist bis ins 16. Jahrhundert eine Geschichte der Teilungen in einzelne Linien und des sukzessiven Verkaufs vor allem der Stammlande in Vorarlberg an die Habsburger.

Nach 1659 verblieben den Grafen nur noch die Herrschaften Tettnang und Argen als Reichslehen und die zur Ritterschaft steuerbare Herrschaft Schomburg mit zusammen etwa 10.000 Untertanen.

Im 30jährigen Krieg waren beide Schlösser in Tettnang und Argen zerstört worden. Zunächst begnügte sich Graf Johann V. (1627-1686) mit der Wiedererrichtung zweier relativ einfacher Schlossbauten.

Sein Sohn Graf Anton III. (1670 - 1733) verpachtete 1699 in der Hoffnung auf eine Karriere am fürsterzbischöflichen Hof seines Schwagers Johann Ernst Graf von Thun in Salzburg die Einkünfte seiner Herrschaften an seinen Oberamtmann, musste aber bereits 1701 erwägen, beim Kaiser eine Debitkommission zur Untersuchung seiner „übermäßigen Schuldenlast“ zu beantragen.

Nachdem Anton nach dem Tod seines Schwagers 1712 sein Amt als Obristmarschall in Salzburg aufgegeben hatte und an den Bodensee zurückgekehrt war, genügten ihm die beiden bescheidenen Schlösser nicht mehr. Nach dem Beispiel der mit ihm verschwägerten Häuser Thun und Schönborn begann er 1712 mit dem Bau der großen Vierflügelanlage des Neuen Schlosses in Tettnang, der „unumgänglich geworden sei [...] zu des hohen Hauses Ehre. 1718/19 sondierte er gar die Möglichkeit einer Erhebung in den Reichsfürstenstand. Als ihn die Finanzierung des Baus überforderte, verzichtete er noch vor der Fertigstellung auf die Regierung und zog sich 1728 in ein kleines Landhaus bei Salzburg zurück.

Sein Sohn, Graf Ernst (1700 - 1758), schreibt 1727 an den Kaiser, sein Vater habe die Regierung an ihn abgetreten. Er finde „eine ungeheure Schuldenlast“ vor, die gerichtlichen Verfolgungen würden sein Haus in die „Gefahr eines völligen Unterganges verwickeln“. Bevor er „mit den Reichslehen begnadigt“ werde, bitte er um die Einsetzung einer kaiserlichen Debit-Kommission. Zu diesem Zeitpunkt beträgt die Schulden- last etwa 3.700.000 Gulden. Die Kommission verhandelt jahrelang, produziert Aktenmassen und legt Sanierungspläne vor.

Zwei konkrete Vorschläge werden erwogen: der Verkauf der Herrschaft Schomburg um 80000 Gulden an den Deutschen Orden und die Einrichtung eines Landkommerziums. Beide Vorschläge lehnt der Kaiser ab, den ersten wegen des Verbots der Veräußerung einer reichsritterschaftlichen Herrschaft an die tote Hand, den zweiten wegen des Einspruchs der benachbarten Reichsstande gegen die Errichtung eines Handelsmonopols in der Grafschaft. De facto stimmt der Kaiser einem Zahlungs- moratorium und Schuldnerschutz zu, um dem„uralten und um Ihre Kaiserliche Majestät [...] so wohl verdienten Reichs-Gräflichen Haus [...] mit allen gedeihlichen Rettungs-Mittelnauslänglich zu Hilfe zu kommen. Durch Verhandlungen mit den Gläubigern gelingt es immerhin, die auf 560. 257 Gulden gestiegenen Schulden auf 344 .497 zu reduzieren. 1738 aber erklärt die Kommission ihre Bemühungen zur Sanierung für gescheitert. Der Reichshofrat sieht nur deshalb von der Einleitung eines förmlichen Konkurs-Verfahrens ab, weil der Graf sich bereit erklärt, einen Zahlungsplan anzunehmen, die Kameralverwaltung abzutreten und sich jeglicher Eingriffe zu enthalten.

1739 entspannt sich die Situation etwas durch einen Fron- und Jagdkontrakt, wonach gegen jährlich 5 500 Gulden die Fron- pflichten der Untertanen und Jagdrechte der Grafen abgelöst werden. Mehr noch entlastet den Grafen ein Darlehen von 200.000 Gulden, das ihm Kardinal von Schönborn, ein Schwager des Grafen Ernst, als Bischof von Speyer zu günstigen Zinsbedingungen überlässt und das zur Abzahlung älterer Schulden verwendet werden soll. Schönborns Wahl zum Koadjutor in Konstanz hat Ernst als kaiserlicher Wahlkommissar 1722 unterstützt. Schönborn revanchiert sich schon 1735, als er zwei Brüdern von Ernst Domherrenstellen in Speyer und Konstanz verschafft.

Die Auszahlung des Kredits verzögert sich durch den Tod des Kardinals bis 1744, doch hält sich das Speyrer Domkapitel an den Vertrag.