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Über die Grafen von Altbregenz und jene von Montfort, besonders die Linie zn Bregenz.

Von J o s e p h Bergmann.

Edeln alamannischen Blutes war das erste über Bregenz und die gleich- namige Grafschaft gebietende Grafengeschlecht. Es stammt vom Argen- und Linzgaugrafen Ulrich I. ab, einem Bruder Hildegardens, der Gemahlin Karl's des Grossen, die auf ihrem Eigen die reichsfürstliche Abtei Kempten stiftete, und des in der Geschichte unserer Ostmark streitbewahrten Markgrafen Gerold, der kinderlos am 1.September 799 im Kampfe gegen die Avaren durch einen Pfeilschuss fiel und auf der Insel Reichenau ruht. Dieses Grafen- geschlecht von Altbregenz, wie ich es zum Unterschiede von dem nach- folgenden jüngern, dem Montfort ischen gern zu nennen pflege, gebot auch in Churrhätien, zu dem der einst romanische Curwalhengau, d.i. das vorarlbergiscbe Oberland, gehörte; so Graf Ulrich VIII. (nach anderer Zählung IX.), wie uns eine Urkunde vom Jahre 1095 inv. Mohr's Cod. Diplom. Bd. I, Nr. 103 lehrt. Dieser stiftete oder erneuerte das Benedictiner KIoster Mehrerau (Augia Major) am Bodensee mit seiner Gemahlin Bertha, Tochter des Grafen Rudolf von Rheinfelden, Herzogs von Alamannien, der als Gegenkönig K. Heinrich’s IV. in der Schlacht bei Mölsen unweit Zeiz am 15. October 1080 gefallen war, und starb am 27. October 1097. Dessen Sohn mit dem grossväterlichen Namen Rudolf, der nach Urkunden von den Jahren 1110, 1125 und 1139 (hei v. Mohr 1, Nr. 106, 114 und 121) gleichfalls Comes in pago Retia Curiensi war und den Bau der Mehrerau J) vollendete, war durch seine Gemahlin,

l ) Dieses Kloster, die Ruhestätte der beiden letzten Grafen von Altbregenz und der Oralen von Montfort Bregenzer Linie, wurde am 1. September 1806 von der k. baierischen Regierung aufgehoben und





die Welfin Wulfhilde, einer Schwester des übermächtigen und übermüthigen Heinrich’s des Stolzen, Herzogs von Baiern und Sachsen, mit den Welfen, Hohenstaufen und Zähringern, wie auch mit Liutpold, Markgrafen von Steiermark verschwägert. Als mit ihm am 12. Mai um das Jahr 157(somit vor sieben Jahr- hunderten) dieses reichbe- güterte und mächtige Geschlecht im Mannsstamme erlosch, folgte ihm in seinem Gebiete das Geschlecht der Pfalzgrafen von Tübingen mit der Fahne, die dasselbe wegen der ihm verliehenen Pfalzgrafen würde führte. Rudolf1s einzige Tochter Elisabeth war nämlich mit dem Pfalzgrafen Hugo (fl 182) vermählt und brachte an dieses Haus ihr bedeutendes väterliches Erbe. Ihr Älterer Sohn Rudolf I. setzte das Geschlecht der Pfalzgrafen von Tübingen fort, das verarmt mit dem Grafen Georg Eberhard den 16. September 1634 ausstarb; der jüngere, Namens Hugo, bekam bei der Theilung die Grafschaft seines mütter lichen Grossvaters und wohl auch den Curwalhengau und nannte sich Graf von Montfort von der einst romanischen Veste Montfort, an der Berg halde nördlich vom uralten Rankweil (Vinomna) gelegen, welche die Appenzeller im Jahre 1405 gebrochen haben. Dieser Graf Hugo I. (-J- 1219) ist der Stammvater der Grafen von Montfort mit der rothen Kirchenfahne im silbernen Felde, in welche die ursprüng liche Fahne, welche das Befehlshaberamt über das kaiserliche Aufgebot der Pfalzgraf

die Steine der schönen, vom gelehrten Abte Franz Pappus von Tratzlierg ums Jahr 1740 neuerbauten Kirche zum Hafenbau von Lindau verwendet. Am 27. März 1854 kauften das Klostergebäude, das Jahre lanfr als Caserne gedient hatte, die Cistercienser des aufgelösten aargauischen Klosters Wettingeu und bezogen es in demselben Jahre. Nun erhebt sich wieder eine Kirche an der Stelle der alten.

schaft bezeichnen mochte, später sich verändert hat. Von diesen Grafen von Montfort trennten sich um die Mitte des XIII. Jahrhunderts die Grafen von Werdenberg ab, deren eine Hauptlinie die schwarze, und die andere die weisse Kirchenfahne in rothem Felde führte, welche Linie mit dem Grafen Christoph von Werdenberg im Jahre 1534 erlosch, dessen Erbtochter Anna ihr Heiligenberg und ihre weisse Fahne an’s altschwäbische Haus der Landgrafen von Fürstenberg brachte *)• Hugo’s I. Enkel, die Grafen von Montfort, die über Vorarlberg und das obere Allgäu geboten, theilten sich in die Linien: a j zu Feldkirch2), von welcher der letzte Graf Namens Rudolf, der am 16. November 1390 auf seiner Burg zu Fussach starb, schon am 22. Mai 1375 zu Baden im Aargau seine Grafschaft und den seit 1338 dazu gehörigen Innerbregenzerwald an die Herzoge von Österreich bedingungsweise verkauft hatte; b ) zu Tettnang und Scheer und c) zu Bregenz und Sigmaringen, welche mit dem Grafen Hugo im Jahre 1338 erlosch. Die Feldkircher und Tettnanger Linien theilten sich in Hugo's Besitz zu Lindau am 5. November 1338, wodurch der Bregenzer Landstrich, welcher von den Quellen der Subers oder Egger-Aach, dann längs der Schwarzach bis zu ihrer Mündung in den Bodensee südlich gelegen ist, zur Grafschaft Feldkirch, und alles Land, das nördlich der genannten Flüsse gelegen, an den Grafen Wilhelm I. von Tettnang kam. Dieser Wilhelm I., der Kaiser Ludwig’s Anhänger und von 1327— 1329 dessen Statthalter in Mailand gewesen, starb am 8. October 1353. Seine beiden Söhne Heinrich und Wilhelm II. theilten sich am 20. Mai 1354 in’s väterliche Erbe, von welchem jener Tettnang, Argen, Rothenfels mit Staufen, Scheer etcv dieser Bregenz mit dem vordem Bregenzerwald erhielt und der Stammvater der neuen Montforte r Linie zu Bregenz wurde. Dieses Wilhelm’s II. zweite Gemahlin war Ursula Gräfin von Pfirt, Witwe Hugo’s Grafen von Hohenberg, und er nun, da ihre ältere Schwester Johanna (fl3 5 1 ) die Gemahlin des Herzogs Albrecht II. von Österreich gewesen, mit diesem Hause verschwägert. Diesem ihrem Schwager hatte Ursula ihren väterlichen Antheil an der Grafschaft Pfirt mit all ihren Rechten um 2000 Mark Silber am 8. Juni 1333 zu Baden im Aargau bedingungsweise abgetreten. Von diesem Grafen Wilhelm II. ist die Martinscapelle zu Bregenz im Jahre 1361 gestiftet und das

*) Die Grafen von Werdenberg besassen Werdenberg, von dein sie ihren Namen führten, Sargans, Rheineck im heutigen Canton St. Gallischen Kheinthale; ferner das nunmehr fürstlich Liechten steinische Vaduz und im innern vorarlbergischen Walgau die Grafschaften PIudenz mit dem Thale Montavon und Sonnenberg, durch Kauf (ddo.VVien 12. Mai 12.77) Heiligenberg jenseits des Bodensees, endlich A1beck bei Ulm, TrochteIfingen etc. J) Die Grafschaft Feldkirch führt die rothe und die gleichnamige Stadt, die schwarze Kirchenfahne.

Fresco-Gemälde, wenn es aus jener Zeit herstammt, um so erhaltungswerther. Graf Wilhelm starb, nach Hieronymus Pez Script, rerum Austriac. Tom. II, 499, am 19. October 1368 in Wien, wahrscheinlich am Hofe des Herzogs Albrecht III. und fand seine Ruhestätte in der Minoritenkirche. Daher erklärt sich auch die Benennung „Oheim“ in Urkunden der österreichischen Herzoge, welche diese Grafen von Montfort-Bregenz betreffen. Wilhelm’s II. Sohn aus erster Ehe, Wilhelm III., war erst mit Ursula Gräfin von Hohenberg, Tochter der vorerwähnten Ursula von Pfirt erster Ehe, die ihm die Söhne Konrad und Hugo gebar, dann in zweiter mit Margaretha,Witwe Johanns des letzten Grafen von Pfannberg ( f 1362), die er wahrscheinlich hier in Wien kennen gelernt hatte, vermählt. Nach dessen zu Anfang des Jahres 1379 erfolgtem Tode theilten die genannten Söhne die Grafschaft Bregenz am 8. Juni desselben Jahres, von der Konrad die sogenannte alte Herrschaft, d. i. die halbe Stadt Bregenz, die Gerichte Hofsteig, Lingenau mit Alberschwende im vor dem Bregenzerwalde erhielt, welche dessen Enkelin Elisabetha, verehelicht an Wilhelm Markgrafen von Hachberg, am 12. Juli 1451 dem Herzoge Sigmund von Tirol um 35,592 Pfund Pfennige verkaufte. Hugo VIII., der Minnesänger *), bekam die neue Herrschaft, d. i. die andere Hälfte der Stadt Bregenz, die Gerichte Hofrieden, Sulzberg (mit Rüfensberg und Bolgenach), vermählte sich mit Margaretha der Jüngern, Erbgräfin von Pfannberg, Tochter seiner gleichnamigen Stiefmutter, und brachte deren steiermärkische Besitzungen an seine Linie des Hauses Montfort. Er starb am 4. April 1423 und fand seine Ruhestätte bei den Minoriten zu Bruck an der Mur. Seine Nachkommen theilten abermals am October 1515 ihre Besitzungen. Graf Hugo erhielt Halbbregenz, das er kinderlos an Erzherzog Ferdinandl, am 5. September 1523 um 50,000 Gulden verkaufte; dessen Bruder Georg II. ward Herr von Peckach in Steiermark (da die andern Herrschaften schon nach und nach verkauft waren) und Stammvater der neuen Montfort-Tettnangischen Linie. Als mit dem Grafen Ulrich VIII. von Tettnang am 16. April 1574 diese oberschwäbische Linie erlosch, erbten mit Genehmigung Kaiser Maximilian's II. Georg's ( f 1544) Enkel diese Grafschaft Montfort-Tettnang und verkauften, um ihr angefallenes Reichslehen von Schulden frei zu machen, zu Grätz am 31. März 1596 die Herrschaft Peckach oder Peckau sammt den Ämtern Friesach, Eggenfeld, Seinriach an Paul von Eibiswald um 52,000 Gulden und 600  Ducaten Leitkauf, die dann 1652 käuflich an’s Stift Vorau kam. Die gräfliche Familie verliess nun für immer die Steiermark.

*) über den Dichter (Graf Hugo VIII. von Montfort, Herrn zu Bregenz und Pfannberg. Von Dr. Karl Weinhold. In den Mitteilungen des histor. Vereins fiir Steiermark. 1S57, Heft VII, S.127— ISO.

Graf Johann III., Reichskammerrichter zu Speyer ( f 21. Febr. 1619), pflanzte das Montfortische Geschlecht zu Tettnang fort, das mit dem Grafen Anton, des schwäbischen Kreises General-Major, am 25. November 1787 gänzlich erlosch. Dasselbe war allmählich in eine Schuldenlast von 1.150,000 Gulden herabgesunken, so dass es am 14. August 1779 die Grafschaft Tettnang mit der Herrschaft Langenargen (wo die Montfortische Münzstätte war, welche die österreichische Regierung nach Günzburg im Burgauischen verlegte), an das hohe Erzhaus Österreich verkaufen musste. Dieses trat am 22. August 1780 förmlich und feierlich in deren Besitz, durch den Presburger Friedensschluss am 26. December 1805 kam sie an Baiern und am 18. Mai 1810 an die Krone Württemberg.

Als die Grafschaft Montfort, wie man Tettnang gewöhnlich nannte, im J.1810 an den König Friedrich I. von Württemberg gekommen war, gab dieser dem Gemahle seiner Tochter Katharina, dem Exkönig Hieronymus von Westphalen, hievon den Titel eines Prinzen von Montfort.
Diese vorarlbergisch- oberschwäbischen Montfort dürfen mit dem gleichnamigen, gleichfalls erloschenen Grafen- geschlechte Montfort I´Amaury, das in der englischen und französ ischen Geschichte, besonders in den Kriegen gegen die Albigenser, eine blutige Rolle spielt, durchaus nicht verwechselt werden.